Sivut kuvina
PDF
ePub

Ariadne.

Entflohn? Wer donnerte mich nieder?

Oreade.

Ich Nymphe dieser Höhen

Hab ihn im Sturme dir entfliehen sehen.

Er fürchtete das Licht,

Dein bittend Angesicht,

-

Dein weinend Auge nur den Sturm der Wogen nicht.

Des Menschen Herz ist muthig zum Verrath;

Doch tanns der Unschuld Vorwurf nicht ertras

[blocks in formation]

Ists wahr? Ihr des Olympus ewgen Mächte! -
Bin ich verlassen? Hier allein am Fels, am Meer ?
Verlassen? - Götter! Götter !
Und kann er,
Kann Theseus mich verlassen? -Hoher Jupiter!
Zu sehr fühl ich die Donner deiner Rechte!

Zu sehr! Ihr des Olympus ewgen Mächte
Errettet mich! Da fliegt

Uni Horizont das Schiff mit Ungestüm

Borüber - der Barbar, der Grausame!

ihm,

Der über dieses Herz gesiegt,

Das er also, also betrügt!

Kannst du, mein Herz,

Unter diesem stechenden Schmerz

Fühllos, und wund, und dumm erliegen ?
Aengstige dich!

Zerspreng den Busen! Brich!

Lasst mich, Götter, durch den Tod

Diese Todesnoth

Besiegen!

mit

von Gersten: berg.

[ocr errors][merged small]

von Gersten Was für ein Graun

[merged small][ocr errors]

Herrscht hier an diesem scheußlichen Gestade!

Ist der Kocht so furchtbar anzuschaun,

Wie dieses Meer? Gleicht diesem Sih der Oreade
Das Flammenreich des Dis, der Erebus?
Und bin ich hier? und muß

Die einst gefeierte Kretenserinn,

Die Hoffnung und die Lust der stolzen Krete,
Des Minos Tochter, eines Gottes Enkelinn,
Muß ich in meines Lenzes Morgenrothe

In diesen Felsen irren? Hier allein,

Die Hånde ringend und verlassen,

Der Götter Spott, ein Raub der Thiere feyn?
Und konnte Theseus Ariadnen hassen? -
Schmach! o Frevel! Schande! Grauen!
Ich, die ich ihn den ausgestreckten Klauen
Des Ungeheurs entriß, voll wahrer Zärtlichkeit
Die Götter wissen es! voll wahrer Zärtlichkeit,
Ihn aus dem Labyrinth des Dådalus befreit?
Mein eignes Leben

Für ihn gewagt,

Um es, von Töchtern nicht mehr, von keinen
Müttern beklagt,

Den Thieren des Felsen hinzugeben!

Weh mir! warum mußt ich thu sehn!

Wie schien er mir, gleich einem Gott, so månnlich
schön!

Er, des Alcides Freund, so tapfer, so vollkommen!
Ach, weiches weiblichs Herz, wie warst du eingenome

men!

Sein haar so lockicht! So voll edlen Ernsts sein
Blick!

Sein Stolz, sein Muth, nicht unterjocht vom Glück,
In seinem Gange, seinen Minen!

So traurig jeßt sein Loos,

Und doch er ganz in stiller Ruh so groß!

Welch Mitleid schien er zu verdienen!

Wenn man nur mit Bewundrung von ihm sprach,
Wie weint ich heimlich Freudenthronen! Ach,
Wie hob sich diese Brust!

Wie wallte sie! Wie bebte sie von füsser Lust,

Und

Und Lieb und Mitleid! Nun bezwang ich mich nicht von Gerstens

[ocr errors]

mehr,

Floh, wie ein Zephyr, seinen Armen zu,

Schlang mich um seinen Hals und weint-Erstau

nest du,

Theseus? Liebe führt mich her,

Ein zårtlich Mitleid. Fleuch, und rette mir dein Le

ben!

Sieh hier den Ausgang! Sieh den Minotaurus bes ben!

Die Liebe hat ihn dir in deine Hand gegeben“
Und er erschlug das Ungeheur, halb Mensch halb
Thier,

Nahm mich in seinen Arm. Da flohen wir.
Wohin? Uch! Und nun bin ich hier!

Hier! Verräther, sah der Himmel, sah die Erde
Je einen schändlichern Undankbaren gleich Dir?
Daß er der Fluch der Menschheit werde!
Daß schnell ein Wirbelwind hinab

Ihn schleudre! Zu Phlegethons Ufern hinäß!
Fern von der mütterlichen Erde!

Im Mittelpunkt des Meers, in diesem stürmischen
Meere!

Von schuppichten Charybden verschlungen,
Sein fürchterlich Grab.

Einst war ich schuldlos: meine Frühlingstage
Flohn sanft, flohn ohne Thrånen, ohne Klage,
Noch unbekannt der Liebe hin.

Der holden Maja gleich, der Blumenköniginn,
Umtanzten mich die rosenfarbnen Stunden.
Mit jungen Zweigen war mein Haupt
Von Krokus und Jasmin umlaubt, --
Mit Veilchenkränzen meine Bruft umwunden:
An meiner Mutter Busen hingelehnt,

Ihr Stolz, ihr süsses Mädchen! Still bethrånt
Von ihren Freudenthrånen! Sanft umschlungen
Von ihren Mutterarmen! Tief durchdrungen
Von edler Regung töchterlicher Zärtlichkeit!
So, so entflossest du mir, beste goldne Zeit!
Ach, werd ich dich nie wieder sehen?
Mir dich nicht mehr zurück erflehen?
Bb3

Folgt

berg.

von Gersten: Folgt dem Vergehn so schnell die Strafe nach? Und bin ich ewig nun ein Gegenstand der Schmach?

berg.

O laß mich noch einmal zu deinen Füssen sinken,
O meine Mutter! In den Staub gebeugt,
Mich deine Tochter, mich aus Götter Blut gezeugt,
Noch einmal reuig deine Thrånen trinken!

War mein Verbrechen groß? Es wars! Ich kann bes
reun!

Die Reu ist edel, edler das Verzeihn.

Oreade.

Sie brüllen, die Löwen, sic bersten die Schlünde,
Er donnert, der Donner!

-

schwinde!

Geschwinde! Ges

Vom Felsen, vom Felsen hinab.,

Ariadne.

Wohin? Wo flieh ich hin? Hier ist der Tod!
Neben mir, unter mir, über mir Tod!

Von jeder Seite verfolgt! von allen Mächten bes

[merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][ocr errors][merged small]

In deinem Arm mit Schaudern hier herunter schaut—
Sich dann herab auf mich, und sage:

Hier liegt ein zärtlich Mädchen, ihrer Mutter
Klage!

Sie war einft glücklich fand doch hier ihr Grab!"

Oreade.

Greade.

Sie brüllen die Löwen, sie bèrften die Schlünde,
Er donnert, der Donner! Geschwinde! Geschwins

[ocr errors]

de!

Vom Felsen, vom Felsen hinab.

von Gersten
berg.
Wieland.

Wieland.

Von ihm stehen verschiedne, seiner gewiß nicht unwire dige, musikalische Gedichte im Teutschen Merkur, woruns ter die Wahl des Herkules das ausführlichste ist. In eben dieser periodischen Schrift (v. I. 1775, ztes Viertelj. Seite 103 ff.) befindet sich auch folgende, vom Hrn. Kapellmeister Wolf in Mufik gesezte, Kantate. Ihre Veranlassung war der Wunsch der Durchl. Frau Herzogin Mutter zu Sachsenweimar, die Erzählung, der Mönch und die Sonne, im zten St. des T. M. von eben dem Jahre, in einer Kantate musikalisch behandelt zu sehen. Der Dichter glaubte daher am besten zu thun, wenn er Erzählung und Drama verbåns de, das leştere aber monologisch bearbeitete.

[blocks in formation]

i

[ocr errors][merged small][merged small]
« EdellinenJatka »